Verbessern Videospiele die Geschicklichkeit einiger Ärzte?

Kann das regelmäßige Spielen mit einer Konsole die Augen-Hand-Koordination bei sogenannten laparoskopischen Operationen steigern? Das berichten zumindest italienische Mediziner von der römischen Sapienza-Universität im Journal „PLOS One“. Nach der Studie, an der 42 Medizin-Absolventen teilnahmen, können angehende Operateure ihre Geschicklichkeit durch Videspiele verbessern.

Die Studienteilnehmer befanden sich im ersten oder zweiten Jahr der Chirurgie-Ausbildung und hatten wenig bis gar keine Erfahrung mit Videospielen. Die Hälfte der Teilnehmer spielte für die Studie vier Wochen lang an jeweils 5 Tagen pro Woche eine Stunde mit der Konsole “Wii”. Dabei übten sie sich an Spielen wie etwa Tennis oder Tischtennis. Die Kontrollgruppe (21 Ärzte) durfte während der Studienlaufzeit kein Videospiel nutzen.

Operationssimulator testet Geschicklichkeit der angehenden Chirurgen

Die Geschicklichkeit der angehenden Chirurgen wurde mit einem Operationssimulator vor und nach den vier Wochen getestet. Als Test musste virtuell eine Gallenblase entfernt und neun Bälle, die unter einer glibberigen Masse versteckt waren, mit einem Greifinstrument in einen kleinen Sack gelegen.

Beide Gruppen hatten ihre Fähigkeiten nach Ablauf der Studie weiterentwickelt. Bei den Wii-Spielern sei der Lernfortschritt jedoch wesentlich deutlicher ausgefallen als in der Kontrollgruppe. Im Training konnten sich die Konsolen-Nutzer bei der Gallenblasen-OP von 701 auf nur noch 565 Sekunden steigern. Die Nicht-Spieler hingegen verbesserten sich nur von 701 auf 655 Sekunden.

Eine Expertin bemängelte an der Studie, dass nicht untersucht wurde, ob sich das Training auch auf die Geschicklichkeit bei einer echten Operation auswirkt. Andere Computer- und Videospiele wurden nicht berücksichtigt. Dr. Sonja Gillen von der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie plädiert darauf, dass schon längst mehrere Studien nachgewiesen haben, “dass jede Art von Erfahrung mit Computer- oder Videospielen die Leistungen beim Operieren im virtuellen Modell verbessert“. Nach Angaben der Forscher haben sie momentan keine externe Förderung für die Studie und es bestehe kein Interessenkonflikt. Nach Gillen sei nur die Dauer des Trainings mit vier Wochen (und nicht nur wenige Tage) neu.

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